• Regentonnen im Ballsaal © Martin Bülow Regentonnen im Ballsaal © Martin Bülow
  • Eva Wackerbauer von unserer Agentur kniet sich wortwörtlich in die Arbeit © Martin Bülow Eva Wackerbauer von unserer Agentur kniet sich wortwörtlich in die Arbeit © Martin Bülow
  • Kaffeepause zwischen den Probenhälften © Martin Bülow Kaffeepause zwischen den Probenhälften © Martin Bülow
  • Der Liwa Ballroom © Martin Bülow Der Liwa Ballroom © Martin Bülow
  • Fachgespräche in der Pause zwischen Konzertmeisterin Heike Janicke und Dirigent © Martin Bülow Fachgespräche in der Pause zwischen Konzertmeisterin Heike Janicke und Dirigent © Martin Bülow
  • Der Liwa Ballroom © Martin Bülow Der Liwa Ballroom © Martin Bülow
  • Coppélia © Coppélia ©
  • Coppélia © Marty Sohl-Hires Coppélia © Marty Sohl-Hires

Der Sandmann im Regen

Martin Bülow

Abu Dhabi wundert sich - drei aufeinanderfolgende Tage mit großen Regenmengen sind für diese Gegend - Ende März - eher ungewöhnlich. Die Erklärung unsererseits ist ganz einfach, die Dresdner Philharmonie ist DAS europäische Regenorchester. Ob Eröffnung der Filmnächte am Königsufer in Dresden, Serenaden in Pillnitz oder eine konzertante Carmen im großen Garten - die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei unseren Auftritten bei etwa 75 %.
Was bei open-air-Veranstaltungen in Dresden natürlich störend wirkt, läßt hier die Wüste und die Gärten erblühen. Der Sand wird von Stühlen, Geländewagen, Straßen und Plätzen gewaschen, grau-braune Flächen ergrünen plötzlich und sind mit kleinen Blüten betupft. Die Freude über die ergiebigen Niederschläge in der Stadt ist groß, denn das Emirat gewinnt 90% seines Brauch- und Trinkwassers mit Hilfe von Meerwasserentsalzungsanlagen, die nicht mit Solarenergie laufen. Von den jährlichen 6 Regentagen im Emirat haben wir als Orchester die Hälfte miterlebt. Die Regenspeicher von Abu Dhabi füllen sich gerade rasend schnell - save the world - invite Dresden Philharmonic.

E.T.A. Hoffmann, welcher aus Verehrung für Mozart den Namen Amadeus in seinem Namen mit aufnahm, schrieb - in der Tradition der schwarzen Romantik - die Erzählung "Der Sandmann".  Er selbst empfand sich - Zeit seines Lebens - vor allem als Komponist und Musiker. Dieser Lebensirrtum gipfelte im Jahr 1808 in einer Kapellmeisterstelle in Bamberg - mit mäßigen Erfolg und einem schnellen Ende. E.T.A. Hoffmann's literarisches Schaffen beschränkt sich auf die dann anschließenden 12 Jahre seines Lebens. Sein Literaturstück "Der Sandmann" (1816) hat in den zweiten Akt der Oper "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach Eingang gefunden. Berühmt ist diese Erzählung aber vor allem als Vorlage für das Ballett "Coppélia oder das Mädchen mit den Glasaugen" geworden. Die Musik für dieses erfolgreiche Ballett stammt von Léo Delibes und Coppélia wurde 1870 an der Pariser Oper mit triumphalem Erfolg uraufgeführt und erlebte seither in Paris allein 500 Auführungen.

 

 
Gestern begannen die Proben für die Aufführungen dieses Balletts mit dem weltberühmten "American Ballet Theatre" aus New York. Am eigentlichen Aufführungsort, dem Emirates Palace, fanden heute andere Veranstaltung des Abu Dhabi Festivals statt, so dass das Orchester mit seinen Proben in einen Probensaal ausweichen musste.
Der Liwa Ballroom des Royal Meridian Hotels hat auf jeden Fall eine bedeutende - aber eine grundsätzlich andere Bestimmung. Seine Karriere als Probensaal kam für den Liwa Ballroom sicherlich total überraschend. Dicke flauschige Teppiche, eine schwer steuerbare Belüftung, moderne Lüsterleuchter an der Decke und leider nicht ganz regendicht. Eine große, blaue Regentonne sammelte während der Probe dann unser eigenes, philharmonische Brauchwasser - gleich neben der Pauke, unweit des tiefen Blechs. Mit diesem zusätzlichen ökologischen Schritt haben wir fast die Flüge nach Abu Dhabi in unserer CO²-Bilanz substituiert.

Das erste Zusammentreffen mit dem Dirigenten - Maestro Ormsby Wilkins - machte allen Beteiligten große Freude und wir sind auf die heutigen beiden Proben gespannt, welche nochmals reine Orchesterproben sein werden.

 

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