Händel bei den Beduinen

Martin Bülow

Man kann also die weit gereisten Kolleginnen und Kollegen der Dresdner Philharmonie immer noch überraschen. Genau wie die Falknerei und die umfängliche Lebensmittelgewinnung aus dem Kamel dem gemeinen Mitteleuropäer interessantes Neuland ist, ist die barocke, die klassische und romantische Musik Europas und das Instrumentarium für den Einwohner der VAE faszinierendes Neuland. Der Instrumententransport mit seinen zum Teil 300jährigen Mitreisenden wird eben als Warensendung der täglichen Art betrachtet, was beim Entzollen der Instrumente leider zu nicht unbedingt „artgerechter“ Behandlung führte. Kleinere Blessuren und leicht entsetzte Gesichter der Kolleginnen und Kollegen beim Auspacken waren leider die Folge….

Wo sind wir eigentlich hier zu Gast? Bis zur Entdeckung des Erdöls im Jahre 1967 war Abu Dhabi eine kleine, unbekannte, beduinische Siedlung an der arabischen Golfküste. An der Spitze der Vereinigten Arabischen Emirate steht heute der Oberste Rat. Der von den sieben Emiren gewählte Präsident – der Emir von Abu Dhabi ist gegenwärtig Sheik Khalifa Bin Zayed Al Nahyan. Er ist in Personalunion Präsident der VAE und der Emir von Abu Dhabi. Minister und ihre Stellvertreter sind fast ausschließlich Verwandte der Emire. Die großen Erdölvorkommen - im Verhältnis zu einer relativ kleinen Bevölkerung - machen die VAE zu einem der reichsten Staaten unserer Erde.

Die kulturelle Entwicklung von Abu Dhabi wird durch den Aufbau eines speziellen kulturellen Stadtteils – Saadiyat Cultural District – in einer Weise forciert, welche der Dresdner Urbevölkerung den Atem rauben muss. 2018 wird das weltgrößte Guggenheim Museum für zeitgenössische Kunst fertig sein. Der Louvre Abu Dhabi wird 2016 als erstes von vier Museen seine Tore öffnen. Eine Oper, eine Konzerthalle und drei Theater mit insgesamt 6000 Plätzen werden in einem Kulturzentrum Platz finden, ein Biennale-Park mit 19 Pavillons für Festivals und Ausstellungen, ein maritimes Museum für die seefahrerischen Traditionen des Emirats usw.  Kaum vorstellbar, aber im Prozess schon alles sichtbar.

 

 

Der Konzertsaal des Emirates Palace hat eine gesunde Operngröße und man kann nicht sagen, dass Gold bei dem Bau keine Rolle gespielt hätte. Renée Fleming ist Weltstar ohne Allüren. Dies hat gewöhnlich keine unmittelbaren positiven Auswirkungen auf die Umgebung – hier ist dies anders. Ein völlig entspannter Probentag mit einer gut markierenden Sopranistin einem – 5 Minuten nach Progenbeginn - völlig entspannt eintreffenden Dirigenten Sascha Götzel und einer blendend aufgelegten „Fritz Wunderlich-Re-Inkarnation“ namens Michael Schade machten den Samstag zu einem wunderbaren Arbeitstag für das Orchester. Wenn Wiener Blut und Wiener Muttermilch auf sehr feine handwerkliche Grundlagen treffen ist auch mit zu knapper Probenzeit herausragendes zu leisten. Solistin und Dirigent waren gestern nach dem Konzert der Meinung, dass Dresden ein Riesenglück hat mit den zwei exzellenten Opernorchestern.

Renée Fleming wirkte schlicht und zugewandt in den schönsten Roben, nahm das Mikrophon, sprach ohne jegliche Belehrung über den Zauber der Oper, führte durch den Abend und sang wie nebenher Mozart, Händel, Verdi, Massenet, Gershwin, Berlin und als Zugabe noch ein bisschen Puccini. Das war ganz, ganz große Oper und der barrierefreie Zugang zur Oper auf gold-blauen Wolken.

Michael Schade – elastisch-jugendlicher Mozart, kernig-strahlender Verdi, brilliant-funkelnder Massenet und dann… „Lehar’s - Dein ist mein ganzes Herz“. Im Publikum saßen viele Menschen mit europäischen Wurzeln und dem Wissen, diese musikalische Weltliteratur der Oper und Operette selten so schön gehört zu haben. Der andere Teil des Publikums hatte seine erste Begegnung mit den Werken aus unserer Kultur auf einem Niveau, welches sie sicher für lange oder für immer für die Oper gewinnen konnte. Das Orchester der Dresdner Philharmonie traf sich auf Augenhöhe mit den drei Protagonisten zu diesen wundervollen zweieinhalb Stunden Oase zwischen Arabischem Golf und arabischer Wüste. Es war toll!!!

 

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  • Erste Probe in Abu Dhabi mit Sascha Goetzel © Martin Bülow Erste Probe in Abu Dhabi mit Sascha Goetzel © Martin Bülow
  • Der Emirates Palace - DAS Hotel und eine exklusive Spielstätte © Martin Bülow Der Emirates Palace - DAS Hotel und eine exklusive Spielstätte © Martin Bülow
  • Der Emirates Palace - DAS Hotel und eine exklusive Spielstätte © Martin Bülow Der Emirates Palace - DAS Hotel und eine exklusive Spielstätte © Martin Bülow
  • Kontrabässe mögen keine Flüge - Griffbrett verloren © Martin Bülow Kontrabässe mögen keine Flüge - Griffbrett verloren © Martin Bülow
  • Händel - Kammermusik in Abu Dhabi © Martin Bülow Händel - Kammermusik in Abu Dhabi © Martin Bülow
  • Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow
  • Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow
  • Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow Renée Fleming und Michael Schade © Martin Bülow
  • DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow
  • DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow
  • DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow
  • DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow DRESDENS KLANG. in Abu Dhabi © Martin Bülow