Für die Gemüter in Shanghai

Shanghai © Martin Bülow

Shanghai © Martin Bülow

Martin Bülow, 26. Oktober 2016

Das Shanghai Oriental Art Center - eröffnet am 31. Dezember 2004 - liegt im Zentrum des Stadtteils Pudong und ist das wichtigste Zentrum für Konzerte,  darstellende Künste und alle Kulturaktivitäten in Shanghai und ganz China. Der Konzertsaal ist mit der größten Orgel Chinas ausgestattet und gehört zu den bedeutendsten Veranstaltungsorten für klassische und traditionell-chinesische Musik. 

Von den 1970 Sitzplätzen waren gestern über 1800 verkauft, was – laut Veranstalter - für einen Dienstag in Shanghai ein sensationelles Ergebnis ist. 

Shanghai Oriental Art Center © Martin Bülow

Shanghai Oriental Art Center © Martin Bülow

Konzertsaal im Shanghai Oriental Art Center © Martin Bülow

Konzertsaal im Shanghai Oriental Art Center © Martin Bülow

Jubel zur Pause © Martin Bülow

Jubel zur Pause © Martin Bülow

Einer Einladung des Veranstalters gefolgt © Martin Bülow

Einer Einladung des Veranstalters gefolgt © Martin Bülow

Mit dem Textbuch zu "Euryanthe" soll Weber von Anfang an große Schwierigkeiten gehabt haben, nachdem das Zerwürfnis mit dem Freischütz-Librettisten Johann-Friedrich Kind nicht mehr zu kitten war. Wenn der geneigte Leser versucht, die Handlung der Oper durchzulesen, wird er sich sicher der allgemeinen Meinung anschließen, dass die literarische Vorlage sehr umständlich umgesetzt wurde und die poetische Gestaltung des Stoffes weder eine angemessene Atmosphäre noch eine natürliche Dramatik für die Opernbühne hergibt. Sie wirkt eher unbeabsichtigt grotesk, überzeichnet und komisch. Die Musik ist Weltklasse - völlig vergleichbar mit der Qualität des Freischütz‘. Dementsprechend ist die Ouvertüre dieser Oper musikalisches Weltkulturerbe - erst recht für jeden Dresdner.

Die Uraufführung der vollständigen, dreisätzigen Fassung des Schumann-Klavierkonzertes fand in Dresden am 4. Dezember 1845 statt, wiederum mit seiner Frau Clara Schumann am Klavier. Die Dresdner Abendzeitung lobte nach der Uraufführung die "durchaus selbstständige, schön und interessant geführte Orchesterbehandlung", und anerkennt, dass das starke "Zurücktreten der Klavierpartie in den Hintergrund" durchaus auch als Fortschritt gesehen werden kann.

David Fray - mit seinen südfranzösischen Wurzeln – interpretierte das Werk ganz im Sinne der Hochromantik und des "Sturm und Drang's". Schumann beschreibt in diesem Klavierwerk das existenzielle Werbung und Kämpfen um seine Frau Clara. Bei diesem musikalischen Kampf sind – sozusagen als „Kollateralschaden“ - zauberhafte Melodien und eines der expressivsten Finale der Klavierliteratur entstanden. Schumann wäre mit seinem Temperament sicherlich in Südfrankreich weniger aufgefallen als in seiner damaligen Umgebung,  in der er unter lauter „Philistern“ zu leiden hatte. Den notwendigen Wechsel zwischen Introvertiertheit und emotionalen Ausbruch setzt David Fray für Robert Schumann glanzvoll um.

Warum gerade die zweite Sinfonie von Johannes Brahms den Menschen hier so ins Herz und ins Gemüt fährt, wird noch zu erkunden sein. Die dramaturgische Klammer zwischen Klavierkonzert und Sinfonie ist ein Kuraufenthalt von Johannes Brahms in der Zeit der Entstehung dieser Sinfonie (1877) in einem kleinen Ort bei Baden-Baden, wo er die 14 Jahre ältere und seit 20 Jahren verwitwete, hochgeehrte Kollegin Clara Schumann traf, um ihr am Klavier die fertiggestellten Teile des Werks vorzuspielen. Vielleicht verdankt die Nachwelt das Liedhafte der Sinfonie diesem Treffen - ein schöner Gedanke für die morgige Fahrt nach Peking.