Reisetag und 1. Tag in Südkorea

»Made in Dresden«

Heute (28. Oktober) heißt es früh aufstehen, der Wecker klingelt schon um 7 Uhr. Das Konzert am Abend zuvor war sehr intensiv, sodass Körper und Geist noch eine Weile brauchten, sich so weit herunterzufahren, bis an Schlafen gedacht werden konnte. So sind die meisten Blicke noch etwas schlafverhangen, die einem beim hastig eingenommenen Frühstück begegnen.

Die Reiseorganisatoren hatten das Orchester zur leichteren Abfertigung in zwei Gruppen eingeteilt.  Dies war auch bitter nötig! Dem selbst für die Hälfte des Gepäcks zu kleinen Laster, der unser großes Reisegepäck zum Hafen transportieren sollte, hätte man eher eine Fuhre Sand zur nächsten Baustelle mitgeben wollen als seinen Koffer. Hier schwappt noch einmal kurz das alte ländliche China in die neue Glitzerwelt, die sich sonst schon recht vollständig etabliert hat.

Die Überfahrt mit einem Schnellboot von Macau zum Internationalen Flughafen in Hongkong läuft ohne Probleme, nun heißt es warten, warten... Dann wieder Passkontrolle, Handgepäck und Körper durchleuchten lassen, auf langen Rolltreppen in den Untergrund, hinein in eine U-Bahn, um vom Hafenterminal zum Flughafenterminal zu gelangen, und wieder warten, bis das Flugzeug zum Einsteigen bereit ist. Vor uns liegt ein Flug über gut 2000 km Länge, Flugdauer 3 Stunden. Die Maschine hat schon etliche Jahre auf dem Buckel und ist von der Sitzbreite und dem Sitzabstand eher auf die etwas zierlicher gebauten Asiaten ausgerichtet. Für die relativ kurze Flugzeit kann man sich einrichten, aber so manche(r) KollegIn schickt in Gedanken in Hinblick auf den 11 stündigen Rückflug in drei Tagen ein Stoßgebet in den nahen Himmel, dass wir doch bitte dafür wieder in einer schöne Lufthansamaschine Platz nehmen können!

Kaum sind wir im Hotel angekommen, wartet schon ein »alter« Bekannter auf uns: Sangmin Lee, ein koreanischer Bratscher, der drei Jahre bei uns als Substitut im Orchester »laufen gelernt« hatte und bei Nils Mönkemeyer und unserem Kollegen Andreas Kuhlmann ausgebildet worden war. Er erzählt freudestrahlend, dass er seit nun einem Monat Solobratscher im Prime Philharmonic Orchestra, einem privaten, professionellen Orchester in Seoul, geworden ist. Große Freude und auch ein wenig Stolz auf unserer Seite, dass ein »Ziehkind made in Dresden« sich so erfolgreich auf dem hart umkämpften Musiker-Markt in Korea behaupten kann. Darauf wird noch mit einem koreanischen Bier angestoßen!

Ulf Prelle

Turbofähre

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