Beethoven und Bier »

Reisen bildet - Sapporo kulinarisch

01. Juli 2015

von Martin Bülow (Fotos: Nikolaj Lund)

England ist ähnlich weltberühmt für seine exzellenten Gerichte in experimentellen Küchen wie unser Freistaat und die Landeshauptstadt Dresden im Besonderen. Der europäische Hang zu Franchise-Unternehmen im Gaststättengewerbe und zur Systemgastronomie, ist ein oft unterschätzter Nachteil der laufenden Globalisierung.

Nach 35 Jahren Reisetätigkeit kann man ungeschönt feststellen, dass Vielfalt und Qualität - abseits der sogenannten ersten und zweiten Welt - nicht so stark gelitten haben, wie in Europa und Nordamerika. Eine gesunde und abwechslungsreiche Kost ist auf dreiwöchigen Tourneen genauso wichtig, wie auskömmlicher Schlaf und Ruhephasen in der Tourneehektik. Frische und Regionalität sind Garanten für gesundes und schmackhaftes Essen. In Europa eine Aufgabe für hunderte EU-Beamte und für ähnliche Strukturen auf Bundes- Landes- und kommunaler Ebene.

In einer Kleinstadt in Uruguay hört man - beim vorsichtigen Anschneiden des tellergroßen Lomo's -  genaues Hinhören vorausgesetzt - ein wehmütiges "Muuuuh.." im Hintergrund. Die Bewohner der nördlichen Insel Hokkaido essen auf der Hauptinsel Honshu grundsätzlich keine Meeresfrüchte oder Fisch. Die Ware wäre garantiert zu alt. Tatsächlich wird der Fisch hier in Tokio früh im Großmarkt gegen 4:00 Uhr gehandelt und mittags und abends verzehrt. In Sapporo werden die Restaurants direkt und fortwährend vom persönlich befreundeten Fischer beliefert. Den überraschten Gesichtsausdruck meiner gestrigen Dinner-Königs-Krabbe ("Ich bin doch eben noch an dem russischen U-Boot vorbei gekrabbelt") konnte ich erst nach einer weiteren halben Flasche Sake herunterspülen.

Küchen-Conveniens, die in Blöcken angeliefert werden, Mikrowellen die leise - vor dem Servieren - "vor sich hin bimmeln", Restaurantinhaber die nach einem Besuch bei "Selgros" entscheiden, wo die Preisspanne am günstigsten ist und wie sie das dann auf der Speisekarte nennen...

All' dies gibt es hier nicht.

Und auch das gern genommene Gegenargument des finanziellen Geldbeutels ist eben nur ein vorgeschobenes Argument. Ramen-Nudeln (aus Buchweizengries) - ein beliebtes Mittagessen, welche - vor den Augen der hungrigen Gäste frisch und handgemacht zubereitet werden - kosten abhängig von den Zutaten um die acht Euro.

Etwas ist in Dresden gerade aber auf jeden Fall viel besser "das Wetter". Neidisch verfolgen wir den Sonnenschein gepaart mit warmen Temperaturen. Der leichte Dauerregen bei 15°C ist ein kleiner Wermutstropfen in einer sonst tollen Tournee.

Ein gutes Buch gehört mit auf Reisen

Ein gutes Buch gehört mit auf Reisen

Mit dabei - das passende Köfferchen

Mit dabei - das passende Köfferchen

Probe mit Aussicht

Probe mit Aussicht