Konzerte in fantastischen Konzertsälen

Die ersten vier Konzerte

In den ersten vier Konzerten haben wir beinahe unser gesamtes breites Reiseprogramm präsentiert:

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel »Egmont«
Sinfonien Nr. 5, Nr. 6 und Nr. 7
Klavierkonzert Es-Dur op. 73 »Emperor«

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 1 c-moll op. 68

Es wird deutlich, dass unsere durch den Chefdirigenten Michael Sanderling geschärfte Beethoveninterpretation auf offene Ohren stößt: schon nach der Ouvertüre brandet der Applaus, nach den Sinfonien laute Bravi. Mit der Pianistin Ayako Uehara haben wir eine vielfach ausgezeichnete Solistin, welche offensichtlich einen hohen Bekanntheitsgrad in Japan genießt. Mit ihr gelingt ein kraftvolles »Emperor« bei klar konturiertem Zusammenspiel mit dem Orchester, womit sie jedes Mal großen Erfolg feiern darf. Und mit Brahms erster Sinfonie können wir alle unsere hier besonders geliebten klanglichen Tugenden ausbreiten: am Schluß der Konzerte lang anhaltender Beifall, welcher jedes Mal eine Zugabe erzwingt. Natürlich freuen sich die Japaner über den Ungarischen Tanz Nr. 5, aber die äußerst virtuose Orchesterversion von Beethovens Rondo a capriccio op. 129 »Die Wut über den verlorenen Groschen« (Instrumentation Gisbert Näther) ruft immer Staunen und große Augen und Ohren hervor. Selbst wenn wir die Bühne verlassen haben, will der Applaus nicht enden.

Wir sind immer wieder erstaunt über die akustische Qualität der Konzertsäle. Sie sind nicht alle neu, mitunter in unscheinbaren Gebäuden versteckt. Jedoch sind sie akustisch vergleichbar mit den besten Plätzen in Deutschland und besitzen durchaus unterschiedliche Charakteristik. Bisher war uns der rechteckige Saal im Tokorozawa Civic Cultural Centre Muse am eindrücklichsten. Der erst 10 Jahre junge Saal bietet trotz moderner Elemente optisch einen geradezu klassisch geschlossenen Anblick. Ähnlich verhält es sich bei der Akustik: hohe Dynamik, im Piano klingt es zauberhaft, das Forte „föhnt“ die Haare ohne zu lärmen und es behält dabei einen gleichermaßen brillanten wie kompakten Gesamtklang. Einziges Manko – wie schon oft beschrieben – ist der auch hier fehlende Bühnenplafond, so dass sich die Musiker nicht gleichmäßig gut auf der Bühne untereinander hören konnten.

Hier alle bisherigen Konzertsäle:

- Sinfonia Concert Hall Iwakuni
- Musashino Civic Cultural Hall
- Edogawa Sogo Bunka Center
- Tokorozawa Civic Cultural Centre Muse

Nach diesen anstrengenden Konzerttagen – am 21. 6. sind wir beispielsweise nach 4 Stunden Zugfahrt direkt zu Probe und Konzert auf die Bühne gestiegen – folgt nun am 24. 6. ein freier Tag. Danach das ersehnte Konzert in der Suntory Hall, einem der weltbesten Säle. Wir berichten.

Daniel Thiele

  • Tokorazawa Tokorazawa
  • Tokorazawa Tokorazawa
  • Musashino Musashino
  • Iwakuni Iwakuni