Spanien - vieles ändert sich

Wenn ein Orchester 5:00 Uhr früh am Dresdner Bahnhof Neustadt in die Busse steigt und gemeinsam aufwacht, muss es einen sehr, sehr guten Grund dafür geben. Eine Reise mit dem Bus nach Berlin, dann mit dem Flugzeug (Air Berlin) nach Madrid und weiter mit dem Zug nach Zaragoza ist beschwerlich, ungewöhnlich und anstrengend.

  • Nach 7 Stunden Reise - Busfahrt von Madrid nach Zaragoza © Martin Bülow Nach 7 Stunden Reise - Busfahrt von Madrid nach Zaragoza © Martin Bülow
  • Anspielprobe in Zaragoza © Martin Bülow Anspielprobe in Zaragoza © Martin Bülow
  • Gun-Brit Barkmin bei der Ansingprobe in Zaragoza © Martin Bülow Gun-Brit Barkmin bei der Ansingprobe in Zaragoza © Martin Bülow
  • Schnellzug nach Alicante © Martin Bülow Schnellzug nach Alicante © Martin Bülow
  • Anspielprobe in Alicante © Martin Bülow Anspielprobe in Alicante © Martin Bülow
  • Bustransfer von Alicante nach Murcia - 85 km © Martin Bülow Bustransfer von Alicante nach Murcia - 85 km © Martin Bülow
  • Die Dresdner Philharmonie in excellenter Gesellschaft © Martin Bülow Die Dresdner Philharmonie in excellenter Gesellschaft © Martin Bülow
  • Die Technik der Dresdner Philharmonie beim Dienstantritt © Martin Bülow Die Technik der Dresdner Philharmonie beim Dienstantritt © Martin Bülow
  • Die gute Seele von IMG - Klaus Dollnig - mit mobilem Büro © Martin Bülow Die gute Seele von IMG - Klaus Dollnig - mit mobilem Büro © Martin Bülow
  • Demonstration gegen die Sparmaßnahmen in Spanien © Martin Bülow Demonstration gegen die Sparmaßnahmen in Spanien © Martin Bülow
  • Die spanischen Nationalfarben als Blumenrabatte © Martin Bülow Die spanischen Nationalfarben als Blumenrabatte © Martin Bülow
  • Schlussapplaus in Alicante © Martin Bülow Schlussapplaus in Alicante © Martin Bülow

Martin Bülow

Unser letztes Spaniengastspiel im Jahr 2010 endete unfreiwillig - dem Vulkanausbruch geschuldet - auf Mallorca und ließ das Orchester drei Tage lang in einem Touristenhotel auf den Weiterflug warten. Die Vorbereitungen des jetzigen Spanien-Gastspieles standen unter schwierigen wirtschaftlichen Vorzeichen, aber seit der Chefdirigentenzeit von Rafael Frühbeck de Burgos ist unser Verhältnis zu diesem Reiseland nicht ausschließlich von Rationalität geprägt. Wir trafen und treffen in Spanien immer auf ein begeisterungsfähiges Publikum, welches unser Orchester und seine Konzerte sehr schätzt. Freischütz Ouvertüre, die »Vier letzten Lieder« von Richard Strauss und die 4. Sinfonie von Tschaikowski sind Kernrepertoire des Orchesters, abseits vom üblichen Reise-Brahms und Reise-Beethoven. Das Orchester fährt - wie immer unter Michael Sanderling - austrainiert und bestens geprobt auf diese kleine Spanien-Tournee mit drei Konzerten. Gun-Brit Barkmin begleitet uns als Sopranistin für die »Vier letzten Lieder«.

Im Vorfeld hatten wir gehört, dass der Kultursektor in Spanien unter den zurückliegenden Einsparungen besonders stark gelitten hat. Kommunale Kürzungen im Kunstbereich, zurückgehende Besucherzahlen und sinkende Abonnements wären ein Anzeichen für die komplizierten finanziellen Verhältnisse der spanischen Mittelschicht.

 

In der Basilika del Pilar von Zaragoza steht man vor einem Fahnenmeer der ehemaligen Kolonien des Königreiches Spanien. Vom 15. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beherrschte Spanien die halbe Welt.

Dass man heute - als spanische Elite - bei einer protestantischen Pfarrerstochter um Geld bitten muss, ist ein unvorstellbarer Schritt im Selbstverständnis der Spanier.

Viele Preise haben sich fast halbiert. Einkommen sind eingefroren, Pensionen gekürzt und - für uns undenkbare - Einschnitte in Besitzstände sind hier in kürzester Zeit umgesetzt worden und haben das Leben verändert.

Trotzdem - Familien gehen gemeinsam am Samstag aus dem Haus und trinken ein kleines Glas Bier oder Wein und gehen wieder in Konzerte und genießen das Leben - trotzdem.

Wir hatten hinsichtlich des Konzertbesuchs Schlimmes befürchtet, aber die beiden vergangenen Konzerte in Zaragoza und Alicante waren gut gefüllt. Die ungewöhnliche Programmkombination aus von Weber/Strauss und Tschaikowski kommt sehr gut an und das Orchester begeistert mit Musikalität und Hingabe - zum Glück ändert sich eben nicht alles.