Sao Paulo - Musikschule in der Favela Monte Azul

9. September 2014, Johannes Groth, Ute Kelemen, Thomas Otto, Annekathrin Rammelt, Daniel Thiele

Favelas sind besetztes städtisches Land, welches sich zur großen Bebauung nicht eignet. Die Städte versuchen zunächst, die Favelas zu räumen. Gelingt dies nicht, auf Grund des Widerstandes der Einwohner, kann sich die Lage positiv verändern – Urbanisierung setzt ein.

Vor mehr als 40 Jahren begann die deutsche Unterstützung für diese Favela, mit einer ersten Kinderbetreuung. Heute ist das Projekt sehr vielseitig mit Streichermusikschule (seit 2011), Krankenstation, Geburtshaus (das erste überhaupt in Brasilien), einem von nur zwei Behinderteneinrichtungen im Großraum São Paulo und einem Kulturzentrum mit Theaterwerkstatt. 

 

  • das Musikschulgebäude das Musikschulgebäude
  • Probe mit Johannes Groth Probe mit Johannes Groth
  • Favela Monte Azul Favela Monte Azul
  • die Cellogruppe die Cellogruppe
  • gemeinsame Probe mit Ute Kelemen gemeinsame Probe mit Ute Kelemen
  • gemeinsamer Gang zum Probenraum gemeinsamer Gang zum Probenraum
  • nach der Probe nach der Probe
  • konzentriertes Musizieren konzentriertes Musizieren

In der Favela angekommen, empfing uns die Musikschulleiterin Renate Keller Ignacio, über die Ute den Kontakt hergestellt hatte, freundlichst. Zu Studienzeiten verbrachte Ute im Rahmen eines sozialen Jahres in Brasilien als Volontärin vier Monate in der Favela. Damals waren es Bretterverschläge, es gab keinen Strom, kein fließend Wasser, unglaublich schlechte hygienische Zustände.

Uns jedoch bot sich ein unerwartet positives Bild: Feste Häuser, teils mit Malerei verziert, die meisten aber unverputzt (wer braucht das schon in diesem Klima?) und befestigte Wege. An zentralem Ort befindet sich ein großes Betonbecken, in welches die Quelle fließt, um die herum die Favela ursprünglich entstand. Durch einfaches Verschließen des Abflusses wird aus dem Becken ein Pool für die Kinder, der in der Hitze des Nachmittages auch an diesem Tag eifrig genutzt wurde. Fröhlichkeit, wo man hinschaute.

Unser Ziel war es, den Kindern neue Anstöße zu geben, gemeinsam zu musizieren und technische Hilfestellungen zu geben. Nach einer kurzen Begrüßung stellten wir uns musikalisch vor. Die gebannten Blicke der Kinder waren förmlich zu spüren. Die Sprachbarriere wurde durch die Musik schnell überwunden bzw. es sprangen - wo von Nöten – die Volontäre ein, welche uns den ganzen Tag begleiteten.

Der Tagesablauf der Kinder ist durchgeplant. Vormittags sind die Jüngeren in der Musikschule und gehen nach dem Mittagessen in die Staatsschule. Bei den Älteren ist es umgekehrt. Das Mittagessen und der Musikunterricht sind kostenlos und auch ein Grund, weshalb es so viele Anmeldungen für die Musikschule gibt.

Nach dgemeinsamen Proben und Einzelunterricht gab es dann zu Mittag Reis, Kichererbsen, Gemüse und Fleischbällchen, gekocht aus frischen Zutaten – einfach köstlich. Bemerkenswert waren die Höflichkeit und die Disziplin der Kinder. Nach einem kurzen Gebet ließen es sich alle schmecken.

In der nachfolgenden Stunde führte uns Renate durch die Favela und erzählte uns ihre Geschichte Wer mehr davon erfahren möchte, dem sei dieser Link empfohlen:
http://www.monteazul.de

Zu den Sonderprojekten, wie der Musikschule, kommt man über:
http://www.monteazul.de/unsere-arbeit-in-den-favelas/sonderprojekte.html

Vor der Nachmittagsprobe überreichten wir die mitgebrachten Geschenke: ein Kindercello, Notenständer, Saiten, Streicherzubehör, Noten und auch gebrauchte Sachspenden der Kollegen. Die Freude darüber war groß.

Anschließend musizierten wir gemeinsam mit dem fortgeschrittenen Streicherensemble u.a. aus der Peer Gynt Suite „Aases Tod“. Als wir das  Streichquartett wiederholten, um den Jugendlichen die Dramatik dieses Werkes verständlicher zu machen, waren alle Blicke auf unsere Hände und Instrumente gerichtet - es entstand eine zauberhafte Atmosphäre.
Am Nachmittag spielten wir unsere Streichquartette vor, arbeiteten an den Stücken der Kinder und gaben Einzelunterricht. Ein Höhepunkt war das „Palladio“ von Carl Jenkins, bei dem auch die zuhörenden Kinder klatschend miteinbezogen wurden, was allen großen Spaß machte - unbeschreiblich das gute Rhythmusgefühl der Brasilianer.

Gegen Abend wurden wir direkt zum Konzertsaal zurück gefahren. Durch die nette Hilfe der Tourleitung wurden 5 Karten zur Verfügung gestellt, die es drei Volontären und zwei Jungen aus der Favela ermöglichte, unserem Konzert zu lauschen. Dafür vielen Dank!

Es war für alle Beteiligten ein unvergesslicher Tag, der die Herzen tief berührte und Lust auf weitere Unterstützung machte.