Die Kempf(fs) und die Dresdner Philharmonie

21. Juni 2015, Martin Bülow

Der langjährige, ehemalige Chefdramaturg der Dresdner Philharmonie - Prof. Dr. Dieter Härtwig - erzählte die folgende Anekdote: Bei einem der letzten Auftritte des Pianisten Wilhelm Kempff in der DDR sollten im - gerade eröffneten - Kulturpalast im Jahre 1970 zwei Konzerte mit ihm stattfinden. Die SED Bezirksleitung hatte den Kulturpalast zuvor für einen Parteitag reserviert, der bis 21:00 Uhr dauern sollte. Die Dresdner Philharmonie sollte deshalb ihre Abonnenten informieren, dass die Konzerte erst 23:00 Uhr begännen. Der damalige Chefdirigent Kurt Masur schrieb daraufhin alle Abonnenten an und versprach ihnen, sich natürlich um eine Vorverlegung der Konzerte zu bemühen - ohne Rücksprache mit den Genossen. Disziplinierende Gespräche im Rat der Stadt Dresden und Beschwerden über das aufmüpfige Verhalten des Dirigenten folgten planmäßig.

Prof. Härtwig erinnerte sich an einen gesichtswarenden, typisch dresdnerischen Kompromiss und an ein Konzert zu nicht ganz nachtschlafender Zeit.

Wilhelm Kempff war der großer deutsche Romantiker und Träumer am Klavier. Legendär sind seine Einspielungen der Klaviersonaten von Beethoven und Schubert, auch als Interpret der Klavierwerke von Schumann und Brahms setzte er Maßstäbe. Als Kammermusiker arbeitete er unter anderem mit Yehudi Menuhin (ab 1955) sowie mit den Cellisten Pablo Casals und Mstislav Rostropowitsch zusammen.

   

Anspielprobe mit Arabella Steinbacher für
das Konzert in Birmingham

Anspielprobe mit Arabella Steinbacher für das Konzert in Birmingham

Nach dem Konzert in Birmingham

Nach dem Konzert in Birmingham

Freddy Kempf (re.) mit Konzertmeister Wolfgang Hentrich

Freddy Kempf (re.) mit Konzertmeister Wolfgang Hentrich

Und das Orchester zieht weiter...

Und das Orchester zieht weiter...

 

Zwei Generationen weiter gehört Freddy Kempf zu den technisch versiertesten Pianisten der jüngeren Generation.

Kempf wurde auch dadurch international bekannt, dass er 1998 beim Internationalen Tschaikovsky-Wettbewerb in Moskau nicht den ersten, sondern lediglich den dritten Platz belegte. Dies rief Proteste des Publikums und anschließend in der russischen Presse hervor, wo er als „der Held des Wettbewerbs“ bezeichnet wurde.

2001 wurde er zum „Best Young British Classical Performer“ bei den „Classical Brit Awards“ gewählt.

Der zweite Abend unserer Cadogan Hall-Triologie brachte die Egmont Ouvertüre, das 4. Klavierkonzert und die "Pastorale" (6. Sinfonie) zur Aufführung.

Zuvor wurden das Orchester und Arabella Steinbacher als Solistin in Birmingham bejubelt (s. Fotos oben).