Solisten-Archiv

HK Gruber

HK Gruber

Der Komponist, Dirigent, Chansonnier und Kontrabassist HK Gruber ist eine der bekanntesten und
populärsten aber auch rätselhaftesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musikszene. Er entwickelte einen unverwechselbaren, hochindividuellen Stil, der als ‚neo-romantisch’, ‚neo-tonal’, ‚neo-expressionistisch’ und ‚neo-wienerisch’ bezeichnet wurde. Seine Musik bleibt aber erfrischend undoktrinär - ein nur auf den ersten Blick einfaches und gleichzeitig finster ironisches Idiom mit einer guten Prise schwarzen Humors. Berg, Stravinsky, Kabarettsongs und Popmusik haben ihn beeinflusst, aber welche stilistischen Elemente er auch in seine Werke integriert, bleibt er doch unnachahmlich er selbst: einer der originellsten musikalischen Köpfe seit dem Zweiten Weltkrieg. Als solcher wurde er mit dem renommiertesten Kulturpreis seines Landes, dem Großen Österreichischen Staatspreis 2002 ausgezeichnet und kürzlich zum Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses ernannt, eine traditionsreiche Ehrung, die Musikern wie Igor Stravinsky, Pierre Boulez und Claudio Abbado zuteil wurde.
Gruber wurde 1943 in Wien geboren, er war als Kind Mitglied bei den Wiener Sängerknaben und studierte an der Wiener Hochschule für Musik Kontrabass bei Ludwig Streicher, Musiktheorie bei Hanns Jelinek und Komposition bei Erwin Ratz und Gottfried von Einem. 1961 wurde er Kontrabassist im Ensemble die reihe, darauf folgte von 1969 bis 1998 die Mitgliedschaft im Radio-Sinfonieorchester Wien. 1968 gründete Gruber mit seinen Wiener Komponistenkollegen Kurt Schwertsik und Otto Zykan das Ensemble MOB art & tone ART, in dem er sich als Sänger und Schauspieler profilierte. Seitdem ist er in dieser Rolle häufig aufgetreten, hauptsächlich in seinem eigenen Werk Frankenstein!!, aber auch in Schönbergs Pierrot Lunaire und Maxwell Davies’ Eight Songs for a Mad King sowie in Werken von Kurt Weill und Hanns Eisler.
Grubers populärstes Werk, das ‚Pandämonium’ Frankenstein!!, hatte 1978 mit dem Liverpool Philharmonic Orchestra unter Simon Rattle und mit Gruber als Chansonnier Premiere. Seither wurde es auf der ganzen Welt aufgeführt, in verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Fassungen, sowohl auf der Bühne als auch konzertant, im Fernsehen und im Film. 1997 ist Frankenstein!! bei EMI Classics auf CD erschienen, mit Gruber und der Camerata Salzburg unter Franz Welser-Möst und kürzlich auch bei Chandos mit dem BBC Philharmonic Orchestra. Grubers Werkkatalog umfasst außerdem zwei Violinkonzerte, die für Ernst Kovacic geschrieben wurden, ein YoYo Ma gewidmetes Cellokonzert (Premiere in Tanglewood 1989), ein Konzert für Schlagzeug Rough Music, sowie Aerial, ein Trompetenkonzert, das er im Auftrag der BBC Proms für Hakan Hardenberger schrieb und das Orchesterwerk Dancing in the Dark, ein Auftrag der Wiener Philharmoniker, uraufgeführt 2003 unter Sir Simon Rattle, ferner Hidden Agenda, das 2006 in Luzern uraufgeführt wurde, wo Gruber Composer in Residence war. Zu HK Grubers Bühnenwerken gehören Gloria von Jaxtberg (eine Schweine-Oper) und die Oper Der Herr Nordwind, die 2005 ihre Uraufführung am Opernhaus Zürich mit Gruber am Pult erlebte. Sein neuestes Werk ist sein zweites Trompetenkonzert Busking (für Trompete, Akkordeon, Banjo und Streicher), das 2008 von Hakan Hardenberger uraufgeführt wurde. Als nächste wichtige Uraufführung folgt Ende der Saison 2009/10 Websites (Symphonie für Solo-Percussion und großes Orchester) mit dem Schlagzeuger Martin Grubinger und dem RSO Wien unter Peter Eötvös.
Als Dirigent ist Gruber weltweit gefragt und hat Orchester dirigiert wie die Wiener Philharmoniker, das
Orchester des Bayerischen Rundfunks, das Mahler Chamber Orchestra, das Gewandhausorchester Leipzig, das WDR Sinfonieorchester Köln, das Cleveland Orchestra, das Baltimore Symphony Orchestra, das Los Angeles Philharmonic Orchestra und das Tokyo Metropolitan Orchestra. Er war zu Gast bei verschiedenen Festivals wie den BBC Proms, dem Lucerne Festival, dem Menhuin Festival Gstaad und der Musica Nova. Als Chansonnier in seinem Werk Frankenstein!! ist Gruber mit vielen Orchestern aufgetreten wie zum Beispiel dem Philadelphia Orchestra, den Münchner Philharmonikern, dem Malaysian Philharmonic, dem San Francisco Symphony Orchestra und dem Saint Louis Symphony Orchestra.
Von der Saison 2009/10 an übernimmt Gruber die Position des Composer/Conductor beim BBC Philharmonic, und er wird in dieser Funktion neue Auftragswerke dirigieren, CD-Produktionen für Chandos entwickeln und das Orchester sowohl auf Tourneen als auch bei seinen regulären Konzerten in Bridgewater Hall dirigieren. In dieser Saison dirigiert Gruber das Orchester bei der britischen Erstaufführung des Trompetenkonzerts Busking mit Hakan Hardenberger und bei der Uraufführung eines neuen Werks von Friedrich Cerha in einem gemeinsamen Konzert mit dem Ersten  Gastdirigenten Vassily Sinaisky. Ferner stellt Gruber Werke von Mac Millan, Schwertsik, Stravinsky und Markevitch vor. Weitere Dirigate übernimmt Gruber in der Saison 09/10 beim Saint Paul Chamber Orchestra mit Hakan Hardenberger bei US-Premiere von Busking, beim Brucknerorchester Linz, bei der Northern Sinfonia um beim Swedish Chamber Orchestra während der Tournee nach Wien, Düsseldorf und Köln.
Als leidenschaftlicher Fürsprecher der Musik Kurt Weills und Hanns Eislers interpretiert Gruber oft ihre Werke. 2009 nahm er Weills Dreigroschenoper mit dem BBC Philharmonic auf, nachdem er in den Jahren zuvor viele Werke Weills und Eislers für BMG und Largo eingespielt hat. Während seiner Residenz beim Wiener Konzerthaus 2008/09 dirigierte Gruber eine konzertante Aufführung der Dreigroschenoper mit Ian Bostridge, Dorothea Röschmann und Angelika Kirchschlager in den Hauptrollen – eine Produktion die auch im Rahmen einer Tournee in der Hamburger Musikhalle, im Barbican Centre und am Théâtre des Champs-Elysées zu hören war.
Gubers jüngste CD-Veröffentlichung beim Label BIS ist eine CD mit Werken von Brett Dean mit dem Swedish Chamber Orchestra. Eine Reihe eigener Werke nahm Gruber für Chandos mit dem BBC Philharmonic und für BIS mit dem Swedish Chamber Orchestra auf.