Solisten-Archiv

Kirill Gerstein

Kirill Gerstein

“Der russische Pianist Kirill Gerstein […] [wurde] mit [Rachmaninovs 2. Klavierkonzert] zum stürmisch gefeierten Debütanten bei den Berliner Philharmonikern. […] Er verfügt über die Pranke und Geläufigkeit der Liszt-Virtuosität und zugleich über eigene Intuition als Kammermusiker.”
Der Taggespiegel, 15. April 2016


Die Neugier und Vielseitigkeit des Pianisten Kirill Gerstein hat zu einer intensiven Auseinandersetzung mit einer breiten Palette an Repertoire und Musikarten geführt. Gersteins Spiel – von Bach bis hin zu Adès – ist geprägt durch seine ausdrucksstarke und expressive musikalische Persönlichkeit. Dank seiner einzigartigen künstlerischen Herangehensweise, welche Klarheit des Ausdrucks, anspruchsvolle Intelligenz und Virtuosität miteinander vereint, sowie durch seine frühe Faszination für Jazz hat, sich Kirill Gerstein rasch einen Namen gemacht.
Gerstein, der seit 2003 die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, lebt und arbeitet abwechselnd in den USA und Deutschland. In den letzten Spielzeiten debütierte er sowohl mit den Wiener als auch den Berliner Philharmonikern, sowie dem Royal Concertgebouw Orkest Amsterdam. In Europa wird er in der kommenden Spielzeit u. a. beim Tchaikovsky Festival des BBC Symphony Orchestra unter dem Kuratorium von Semyon Bychkov zu erleben sein.
Weitere Engagements führen ihn zum Deutschen Symphonie Orchester Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Helsinki Philharmonic Orchestra, dem Netherlands Radio Philharmonic, dem Orchestre National de France und dem WDR Sinfonieorchester Köln. In den USA wird man ihn mit Konzerten von Busoni mit dem Boston Symphony Orchestra, von Schönberg mit dem Cleveland Orchestra und von Tchaikovsky mit dem New York Philharmonic Orchestra hören können.
Als ebenso gefragter Kammermusiker wird Gerstein in dieser Spielzeit drei Konzerte beim Jerusalem International Chamber Music Festival mit musikalischen Partnern wie Sir András Schiff geben. Mit Kolja Blacher und Clemens Hagen wird er seine Trio-Reihe in Wien fortsetzen. In Paris wird er ein Pianorezital für zwei Klaviere mit Thomas Adès bestreiten und in New York gemeinsam mit dem Hagen Quartett in Brahms’ Klavierquintett zu hören sein. Anlässlich des zeitgenössischen Musikfestivals “Dialoge” des Salzburger Mozarteums kuratiert Gerstein zwei Konzerte mit Werken von Mozart, Busoni und Rihm.
Gersteins 5. CD-Einspielung mit den Études d’exécution transcendante von Franz Liszt – welche gerade bei myrios classics erschienen ist – folgt auf umjubelte
Konzertdarbietungen desselben Programms in New York und London. Bekannt als eines der technisch anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur überhaupt, kommentierte die Financial Times seine Interpretation dieses Lisztschen Zyklus vor kurzem wie folgt: "Gerstein spielt sie ohne jegliche Überbeanspruchung, findet Zeit, um Poesie und Drama zu evozieren und verschont den Hörer mit großem Waffenaufgebot”. Gersteins Klavierabende in dieser Spielzeit beinhalten Darbietungen der Études in ganz Nordamerika sowie in Belgien, Deutschland, Österreich und Großbritannien.
Letztes Jahr erschien die Weltersteinspielung von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert in der Version von 1879, die zugleich die finale Werkfassung durch den Komponisten selbst darstellt, und welche neu als Urtext vom Tschaikowsky Museum in Klin editiert worden ist. Für diese Aufnahme gewann Gerstein den ECHO Klassik–Preis für die beste Konzerteinspielung des Jahres und wurde zudem für einen BBC Music Magazine Award nominiert. In Folge verfocht Gerstein diese bisher unbekannte Fassung in Konzertreihen bei den BBC Proms, beim Chicagoer Grant Park Music Festival (als US-Premiere), in Island, Russland sowie in ganz Europa. In der kommenden Spielzeit wird er diese neue Version des Werkes zusätzlich mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Atlanta Symphony Orchestra, dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und dem New York Philharmonic Orchestra vorstellen.
Zu Gersteins früheren Aufnahmen für myrios classics zählen neben Imaginary Pictures, auf welcher Mussorgskys Bilder einer Ausstellung und Schumanns Carnaval gegenübergestellt werden, und die von der New York Times als eine der besten CD-Einspielungen des Jahres 2014 gerühmt wurde, auch zwei CDs mit Tabea Zimmermann mit Sonaten für Bratsche und Klavier von Brahms, Schubert, Franck, Clarke und Vieuxtemps, von welchen die zweite mit dem "Diapason d'Or de l'année 2013" ausgezeichnet wurde, sowie Gersteins allererste CD mit Werken von Schumann, Liszt und Knussen, welche von der NPR Music als eine der fünf besten Chopin und Schumann Aufnahmen des Jahres 2010 gekürt wurde.
Als jüngster Student des Bostoner Berklee College of Music kam Kirill Gerstein, damals gerade erst 14-jährig, in die Vereinigten Staaten. Als er sich verstärkt dem klassischen Repertoire zuwandte, setzte er sein Studium bei Solomon Mikowsky in New York, Dmitri Bashkirov in Madrid und Ferenc Rados in Budapest fort. Im Jahr 2001 erhielt er die erste einer Reihe renommierter Auszeichnungen: den 1. Preis beim 10. Arthur Rubinstein-Wettbewerb. Im darauffolgenden Jahr verlieh man ihm den Gilmore Young Artist Award und im Jahr 2010 wurde er sowohl mit dem Avery Fisher Career Grant, als auch dem Gilmore Artist Award ausgezeichnet. Das Preisgeld, welches er von der Gilmore Stiftung erhielt, ermöglichte es ihm, neue Kompositionen von Timothy Andres, Chick Corea, Alexander Goehr, Oliver Knussen und Brad Mehldau in Auftrag zu geben.