Kent Nagano © Salzburger Festspiele / Anne Zeuner

Kent Nagano

Dirigent

Kent Nagano gilt als einer der herausragendsten Dirigenten sowohl für das Opern- als auch für das Orchesterrepertoire. Seit September 2015 ist er Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Von 2006 bis 2020 war er Musikdirektor des Orchestre symphonique de Montréal und wurde im Februar 2021 zum Ehrendirigenten ernannt. 2006 wurde er zum Ehrendirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin ernannt und 2019 zum Ehrendirigenten von Concerto Köln, dem Barockorchester, mit dem er im Rahmen des Projekts Wagner-Lesungen zusammenarbeitet.

Die Saison 2021/22 begann in Hamburg für Kent Nagano mit zwei Open-Air-Konzerten auf dem Rathausmarkt sowie der offiziellen Saisoneröffnung der Hamburgischen Staatsoper mit Jacques Offenbachs Oper Les Contes d'Hoffmann in einer Neuinszenierung von Daniele Finzi Pasca und einer konzertanten Wiederaufnahme von Schumanns Szenen aus Goethes Faust. Neben Sinfoniekonzerten mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg während der gesamten Spielzeit übernahm Kent Nagano die musikalische Leitung der Premiere von Strauss' Elektra im November 2021 in einer Inszenierung von Dmitri Tcherniakov. Im weiteren Verlauf der Saison dirigiert er Aufführungen von John Neumeiers Beethoven-Projekt II beim Hamburg Ballett. Im Rahmen des 5-jährigen Jubiläums der Elbphilharmonie wurde die ursprünglich geplante Aufführung von Jörg Widmanns Oratorium ARCHE, dessen Uraufführung Kent Nagano im Januar 2017 in der Elbphilharmonie dirigierte, aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation durch ein Programm mit Werken von Widmann und Beethoven ersetzt.

Zu Kent Naganos vergangenen Jahren in Hamburg gehören Opernproduktionen wie Les Troyens, Lulu, die Uraufführung von Stilles Meer und die Deutsche Erstaufführung von Lessons in Love and Violence, die "Philharmonische Akademie" mit Open-Air-Konzerten auf dem Rathausmarkt und die Uraufführung von Pascal Dusapins Werk Waves für Orgel und Orchester in der Elbphilharmonie. Orchestertourneen mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg führten Kent Nagano in den vergangenen Jahren nach Japan, Spanien und Südamerika. Im September 2020 präsentierte die Hamburgische Staatsoper unter der damals aktuellen Corona-Regelung die Uraufführung von molto agitato, einem von Frank Castorf inszenierten Musiktheaterabend, der unter der Leitung von Kent Nagano Werke von György Ligeti, Johannes Brahms, Georg Friedrich Händel und Kurt Weill kombinierte.

Als gefragter Gastdirigent hat Kent Nagano mit den weltweit führenden internationalen Orchestern zusammengearbeitet, darunter das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Orchestre Philharmonique de Radio France, das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, das Chicago und Detroit Symphony Orchestra, das Finnish Radio Symphony Orchestra und die Wiener Symphoniker.           

Als Operndirigent leitete er u. a. Schostakowitschs Die Nase an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, Rimsky-Korsakoffs Der goldene Hahn am Châtelet in Paris, Hindemiths Cardillac und Poulencs Dialogues des Carmélites an der Opéra National de Paris sowie Henzes Die Bassariden und die Uraufführung von Saariahos L'amour de loin bei den Salzburger Festspielen. Zu den weiteren Uraufführungen, die er dirigiert hat, gehören Bernsteins A White House Cantata und die Opern Three Sisters von Peter Eötvös sowie The Death of Klinghoffer und El Niño von John Adams. Weitere besondere Projekte waren Produktionen von Mozarts Idomeneo mit Concerto Köln und der Bernstein-Oper A quiet place mit dem Ensemble Modern in einer neuen Fassung, die im November 2013 in Berlin uraufgeführt wurde.

In der Saison 2021/22 gastierte und gastiert er u.a. in der Tonhalle Zürich mit Brittens War Reqiuem, beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin mit der Uraufführung von Rodolphe Bruneau-Boulmiers Klavierkonzert Terra Nostra und Strauss' Suite Der Bürger als Edelmann sowie bei den Münchner Philharmonikern mit Messiaens Turangalila-Sinfonie in der neuen Münchner Isarphilharmonie. Außerdem dirigiert er Beethovens Missa Solemnis im Kölner Dom und zwei Aufführungen von Das Rheingold in Köln und Amsterdam mit Concerto Köln. An der Opera de Paris wird Kent Nagano die Neuproduktion von Bernsteins A Quiet Place in einer Inszenierung von Krzysztof Warlikowski leiten, und im Concertgebouw in Amsterdam dirigiert er die niederländische Erstaufführung von Abrahamsens Snow Queen mit dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra.

Zu den Höhepunkten von Kent Naganos Zusammenarbeit mit dem OSM als Musikdirektor von 2006 bis 2020 gehörten die Einweihung des neuen Konzertsaals des Orchesters, La Maison Symphonique, im September 2011, Aufführungen der kompletten Zyklen der Beethoven- und Mahler-Sinfonien, Schönbergs Gurrelieder, Konzertversionen von Wagners Tannhäuser, Tristan und Isolde und Das Rheingold, Honeggers Jeanne d'Arc au Bücher und Messiaens Saint François d'Assise. Tourneen führten Nagano und das Orchester nach Kanada, einschließlich der Northern Territories, nach Japan, Südkorea, Europa (zuletzt 2019), Südamerika und in die USA. Im Juli 2018 dirigierte Kent Nagano mit dem OSM anlässlich des Eröffnungskonzerts der Salzburger Festspiele die Lukas-Passion von Krzysztof Penderecki.

Zu seinen Aufnahmen mit dem OSM bei Sony Classical/Analekta gehören Mahlers Orchesterlieder mit Christian Gerhaher im Jahr 2013 und eine Gesamteinspielung aller Sinfonien von Beethoven im Jahr 2015. Decca veröffentlichte 2016 eine Aufnahme der nordamerikanischen Erstaufführung von L'Aiglon, einer selten gespielten Oper von Honegger und Ibert, die 2015 von Nagano dirigiert wurde. Weitere Veröffentlichungen bei Decca sind Danse Macabre mit Werken von Dukas, Saint-Saens, Ives und anderen im Jahr 2016 und eine Einspielung von Bernsteins A quiet place im Jahr 2018 anlässlich des hundertsten Geburtstags des Komponisten. John Adams' Common tones in simple time & harmony (Decca) erscheint 2019, die Lukas-Passion von Penderecki (BIS) und Werke von Ginastera, Bernstein und Moussa (Analekta) 2020.

An der Bayerischen Staatsoper, wo er von 2006 bis 2013 Generalmusikdirektor war, gab Kent Nagano neue Opern in Auftrag, darunter Babylon von Jörg Widmann, Das Gehege von Wolfgang Rihm und Alice im Wunderland von Unsuk Chin. Zu den Neuproduktionen gehören Mussorgskys Boris Godunow und Chowanschtschina, Strauss' Ariadne auf Naxos und Die Frau ohne Schatten, Poulencs Dialogues des Carmelites, Messiaens Saint François d'Assise, Bergs Wozzeck, George Benjamins Written on skin und Wagners Der Ring des Nibelungen.  Tourneen führten Nagano und das Bayerische Staatsorchester durch Europa und Japan. Neben den Bruckner-Sinfonien Nr. 4 und 7 (Sony) hat Kent Nagano mehrere Opernaufführungen mit dem Bayerischen Staatsorchester auf DVD veröffentlicht: Unsuk Chins Oper Alice im Wunderland (2008) und Mussorgskys Chowanschtschina (2009) bei unitel classica/medici arts, Dialogue des Carmélites bei Bel Air Classiques (2011) und Lohengrin (2010) bei Decca.

Ein weiterer wichtiger Abschnitt in Naganos Karriere war seine Zeit als künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin von 2000-2006. Mit dem Orchester führte er Schönbergs Moses und Aron (in Zusammenarbeit mit der Los Angeles Opera) auf, war mit Zemlinskys Der König Kandaules und Schrekers Die Gezeichneten bei den Salzburger Festspielen zu Gast und gastierte mit Parsifal und Lohengrin in Inszenierungen von Nikolaus Lehnhoff im Festspielhaus Baden-Baden.  Aufnahmen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin für Harmonia Mundi umfassen so unterschiedliche Werke wie Bernsteins Messe, Bruckners Symphonien Nr. 3 und 6, Beethovens Christus am Ölberge, Wolfs Mörike-Lieder, Mahlers Symphonie Nr. 8, Schönbergs Die Jakobsleiter und Friede auf Erden sowie Brahms' Symphonie Nr. 4 und Schönbergs Variationen für Orchester op. 31.  Im Juni 2006, am Ende seiner Tätigkeit für das Orchester, wurde Kent Nagano von den Mitgliedern des Orchesters zum Ehrendirigenten ernannt - erst der zweite, dem diese Ehre in der 60-jährigen Geschichte des Orchesters zuteil wurde. Bis heute pflegt er eine enge Freundschaft mit dem Orchester. 

Nagano arbeitet seit vielen Jahren mit Labels wie BIS, Decca, Sony Classical, FARAO Classics und Analekta zusammen, hat aber auch CDs bei Berlin Classics, Erato, Teldec, Pentatone, Deutsche Grammophon und Harmonia Mundi aufgenommen. Für seine Aufnahmen von Busonis Doktor Faust mit der Opéra National de Lyon, Prokofjews Peter und der Wolf mit dem Russischen Nationalorchester und Saariahos L'amour de Loin mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin wurde er mit Grammys ausgezeichnet. 

Anlässlich des 70. Geburtstags von Kent Nagano im Jahr 2021 ist im Oktober eine 3-CD-Box mit Werken von Olivier Messiaen beim Label BR Klassik erschienen. Die Veröffentlichung enthält Live-Aufnahmen der Werke Poèmes pour Mi, Chronochromie und La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ aus Konzerten mit Kent Nagano und dem Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, die Naganos enge Vertrautheit mit Messiaens Musiksprache in besonderer Weise demonstrieren.

Der in Kalifornien geborene Nagano ist seinem Heimatstaat eng verbunden und war von 1978 bis 2009 Musikdirektor des Berkeley Symphony Orchestra.  Seine ersten großen Erfolge feierte er 1984 mit dem Boston Symphony Orchestra, als Messiaen ihn zum Assistenten des Dirigenten Seiji Ozawa für die Premiere seiner Oper Saint François d'Assise ernannte. Naganos Erfolg in Amerika führte zu Ernennungen in Europa: Musikdirektor der Opéra National de Lyon (1988-1998) und Musikdirektor des Hallé Orchestra (1991-2000). Kent Nagano wurde 2003 zum ersten Musikdirektor der Los Angeles Opera ernannt, nachdem er bereits zwei Jahre lang die Position des Chefdirigenten innehatte.