The Chairman Dances
John Adams
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Der Beginn der „The Chairman Dances“, einem Foxtrott (Gesellschaftstanz) für Orchester von John Adams, kreiert die Atmosphäre eines kitschigen chinesischen Restaurants. Adams schrieb dieses Werk als Vorstudie für seine Oper „Nixon in China“.
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Stärker werdende helle Klänge von Klavier, Schlagzeug und Geigen durchdringen den pochenden Rhythmus des gesamten Orchesters. Sie klingen wie Laternen, die plötzlich aufleuchten und wieder erlöschen.
1:31 Posaune, Bässe springen
Adams schrieb 1987 die viel beachtete Oper „Nixon in China“. Diese basiert auf dem Besuch von US-Präsident Nixon beim chinesischen Machthaber Mao 15 Jahre zuvor.
2:22 Holzblock
„The Chairman Dances“ wurde zwar nicht Teil von „Nixon in China“, ist aber von der gleichen Sorte. Adams hatte das Stück als „Traumballett“ konzipiert, in dem Mao und seine Frau einen Foxtrott tanzen.
3:13 Tamburin
Adams mischt die rhythmisch getriebenen „minimalistischen“ Techniken seiner älteren Zeitgenossen, wie Steve Reich und Philip Glass, mit dichten, fast romantischen Orchesterklängen.
4:11 Langsamer
Von einem chinesischen Restaurant wechseln wir plötzlich in einen schäbigen amerikanischen Laden. Hier wird der echte Foxtrott gespielt: Adams zeigt uns, dass er keine Angst vor ein bisschen 70er-Jahre-Kitsch hat.
5:08 plötzlich tutti
In dieser Szene beschreibt Adams, wie Maos Ehefrau Jiang Qing verführerisch tanzt. Maos Porträt erwacht zum Leben und begleitet sie beim Tanz, so wie damals, als sie jung waren.
6:10 Hörnermelodie tutti
Die Initiative für „Nixon in China“ hatte Peter Sellars ergriffen – ein unkonventioneller Regisseur, mit dem Adams in der Folge bei nicht weniger als fünf weiteren Opern zusammenarbeiten sollte.
7:16 Mark tree
Während der Foxtrott in Klavier und Blechbläsern vor sich hin tickt, sind im Hintergrund sinnliche, sanfte Windböen zu hören. Die Musik wechselt häufig die Farbe, aber der rhythmische „Drive“ bleibt stets präsent.
08:09 Trompeten
Die Maos kommen sich beim Tanzen immer näher und enden in einem Tanz der sinnlichen, langsamen Art. Träge Trompeten begleiten ihr Schmusen.
8:54 Synkopen Bläser, Schlagzeug
Obwohl Adams „The Chairman Dances“ als Foxtrott bezeichnet, lässt sich kein Foxtrott dazu tanzen. Stilistisch handelt es sich zwar um einen Gesellschaftstanz, aber der Rhythmus gerät häufig aus dem Schlag.
9:34 Rhythmus staccato
In Adams' Musik mischen sich hemmungslos Einflüsse aus Klassik, Filmmusik und Pop. Diese schwebenden Horn- und Geigenmelodien könnte man einfach so in einem epischen Blockbuster erwarten.
10:34 Geigen plötzlich tief
Langsam lichtet sich der Orchesterklang. Das Klavier übernimmt die Führung, wie ein Barpianist in einem Jazz-Café nach Feierabend. Wird anschließend, nach all der Ausgelassenheit, der letzte Tanz ausgerufen?
11:27 Klavier, Arco-Geigen
Mit dem tickenden, rasselnden Schlagwerk – Sandpapierblöcke, Schlagzeugbesen und Holzblöcke – vertont Adams das Rascheln der Nadel auf der Schallplatte nach dem Ende dieser Platte.
Text: Rick van Veldhuizen
Concerto in F
George Gershwin
- Allegro
Dauer des Satzes: 12:16
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Pochende Pauken, swingende Hornakzente und eine kleine Trommel, die wie Champagner perlt: George Gershwins Klavierkonzert von 1925 steht mit beiden Beinen in den „Roaring Twenties“.
0:48 wieder Pauken
Als der erst 26-jährige Gershwin dieses Werk schreibt, hat er sich bereits einen Namen gemacht. Als er vom Dirigenten Walter Damrosch den Auftrag zu diesem Werk erhält, muss er zunächst zwei Broadway-Musicals schreiben.
1:51 tiefe Oktave Klavier (laut)
Trotz vollen Terminkalenders suchte Gershwin in den New Yorker Jazzsalons und Tanzbars nach Herzenslust Inspiration. So kannte er immer den aktuellen Jazz.
2:39 Orchester weg
Die schleppende Klaviermelodie ist jazzig, aber auch durch und durch romantisch. Diese herrliche Pracht passt nicht nur in die Bars von Manhattan, sondern auch in einen europäischen Konzertsaal.
3:36 Geigenmelodie, Klavier
Dieses Konzert entstand ein Jahr nach Gershwins berühmter Jazz-Fantasie „Rhapsody in Blue“. Das Konzert ist ausgereifter: ein solides klassisches Klavierkonzert voller raffinierter Verbindungen zwischen den einzelnen Melodien.
4:35 Klarinetten, Fagotte
Die Klarinetten und Fagotte setzen in einem Charleston-Rhythmus ein. Dieser Tanz mit seinem schwungvollen, pulsierenden Rhythmus war der letzte Schrei in den afroamerikanischen Tanzbars.
5:19 Chromatische Terzen für Klavier
Der Auftraggeber Damrosch beschrieb Gershwins Hingabe an den Jazz: „Viele kreisen um den Jazz wie eine Katze um den heißen Brei. Gershwin nimmt den Jazz bei der Hand wie der Prinz das Aschenputtel.“
6:20 Klavier in hohem Dur
In diesen zart kitzelnden Klavierklängen hören wir den Einfluss französischer Musik wie von Debussy und Ravel, die Gershwin stark bewunderte. Ein Jahr später sollte er einige Monate in Paris verbringen.
7:17 Erneut Klavier
Gershwin war erst 16 Jahre alt, als er 1915 als „Song Plugger“ am Broadway zu arbeiten begann. Als begnadeter Pianist spielte er den Produzenten eigene Lieder und solche von anderen vor.
8:04 Piccolo-Akzent
Gershwin bemerkte: „Echte Musik spiegelt das Denken und Streben ihres Volkes und ihrer Zeit wider. Mein Volk sind die Amerikaner. Meine Zeit ist heute.“
8:55 Bratschen, Celli Melodie
Manche Jazzmusiker halten Gershwins Musik für zu stark stilisiert. „Echter Jazz“ lebt schließlich von der Improvisation. Dennoch gelingt es Gershwin, die Vitalität und Spontaneität des Genres einzufangen.
9:49 tutti
Das gesamte Orchester, angeführt von den Geigen, schwelgt in der schleppenden, schwülstigen Melodie, die wir zuvor vom Klavier gehört haben. Das Klavier spielt eine antreibende Begleitung.
10:38 Streicher weg
In Gershwins Werken spielt das Klavier nicht nur Melodien, sondern kommt oft wie ein Schlaginstrument zum Einsatz. Dies war ein Trend in den 1920er-Jahren, sowohl im Jazz als auch beispielsweise in der Musik von Strawinsky und Prokofjew.
11:26 nur Klavier
Die erste Melodie dieses Satzes – eine typische Bassfigur aus dem Blues – erklingt in ihrer ganzen Pracht in Klavier und Orchester. Gemeinsam treiben sie diesen Satz zu einem überschäumenden Ende.
- Adagio
Dauer des Satzes: 10:16
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Jeder Komponist ist von seiner Umgebung geprägt, in Gershwins Fall waren dies die Straßen der Stadt. Hier dringen gedämpfte Hörner und Trompeten aus den nächtlichen Speakeasies (geheimen Bars) von New York.
0:45 Hohe Trompete
Der Komponist Arnold Schönberg bemerkte nach Gershwins frühem Tod (im Alter von 38 Jahren), dass „seine Musik den Eindruck von Improvisation vermittelt, mit all ihren Vorzügen und Unzulänglichkeiten“.
1:47 Einsatz der Geigen und Bratschen
Der Schriftsteller Orrin Howard hört Anklänge an die Musik der französischen Impressionisten wie Debussy und Ravel in der verschwommenen Klangwelt von Klarinetten und der Trompete.
2:50 Einsatz Klavier
Der Solist verziert die bluesartige Melodie mit einem Augenzwinkern. Die Streicher begleiten ihn im Hintergrund wie Banjos.
4:01 Oboe
Der lernbegierige Gershwin bat während seines Besuchs in Paris Maurice Ravel um Unterricht. Dieser weigerte sich: „Warum wollen Sie ein drittklassiger Ravel werden, wenn Sie bereits ein erstklassiger Gershwin sind?“
4:47 Violine solo
Einige Komponistenkollegen hielten Gershwin nicht für einen „ernsthaften“ Komponisten. Mit seinen Mega-Hits war er eher als „Melodienschreiber“ bekannt: der Experte für das Mitsummen.
5:59 Klavier Einsatz
Das Klavier unterbricht die Trompete und beginnt, in sanften Bluesmelodien zu träumen. Schließlich hören wir eine quasi-improvisierte Wellenbewegung auf der gesamten Tastatur.
6:59 Erneut Orchester
Der Schriftsteller Orrin Howard nennt die warme Streichermelodie, die wir jetzt hören, die „große Melodie dieses Satzes – ein echter Gershwin-Song, der einfach unwiderstehlich typisch Gershwin ist“.
7:44 Solo-Streicher
Wie beim nächtlichen Ausgehen schlendern wir von der Konzerthalle zur intimen Hausparty. Gershwin scheint hier einen Salon „nach Feierabend“ betreten zu haben, wobei ein Streichquartett und eine Flöte dem Klavier seinen Glanz verleihen.
8:45 tutti
Der „Melodienschreiber“ Gershwin gilt heute als einer der einflussreichsten Komponisten der USA – und zwar sowohl durch seine Beiträge zur Welt der Musicals als auch zur klassischen Musik.
9:34 Klavier und Flöte
Mit ihrem seufzenden, luftigen Klang imitiert die Flöte die jazzige Anfangsmelodie der Trompete. Dieser ruhige zweite Teil dämmert in zärtlichen Erinnerungen an den Beginn eines langen Abends ein.
- Allegro agitato
Dauer des Satzes: 07:29
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Dieser dritte und letzte Satz bricht polternd wie eine Dampflok aus. Große Popularität erlangte der Satz durch die Filmkomödie „Ein Amerikaner in Paris“, in der der Pianist Oscar Levant diesen in einem Fiebertraum spielt.
1:00 Klavier glissando
Gershwins Einfluss wirkte bis nach Europa, zum Beispiel in der Musik von Ravel. Als dieser sich 1928 in New York aufhielt, gingen die beiden Komponisten oft gemeinsam in Jazzbars.
1:48 Trompete und Geigen
Obwohl der Zusammenklang und die Melodien in diesem Werk vom Jazz beeinflusst sind, verwendet Gershwin hier die klassische Form eines „Rondo“, bei der sich verschiedene Melodien mit einem wiederkehrenden Refrain abwechseln.
2:33 Xylophon
Für Gershwin war die Musik der afroamerikanischen Gemeinschaft die treibende Kraft für eine „echt amerikanische“ Musik.
3:28 Hörner, Geigen
In dem zunächst hämmernden, dann perlenden Klavierpart zitiert Gershwin ein anderes klassisches Genre: die Toccata. Bei der Toccata stehen Fingerfertigkeit und spielerische Virtuosität im Vordergrund.
4:18 Orchester weg
Zart und scherzhaft wiederholt das Klavier die verschiedenen Melodien aus diesem Satz. Doch das Orchester rächt sich, indem es die pochenden, sich wiederholenden Noten des Klaviers übernimmt.
4:58 Gong
Plötzlich erklingt im ganzen Orchester wieder die schleppende Melodie aus dem ersten Satz, noch sinnlicher als zuvor. Hier verbindet Gershwin alle Motive des gesamten Konzerts miteinander.
5:45 Akzent, Klavier solo
Die Musik treibt auf einen rasanten Höhepunkt zu. Nach den vier Paukenschlägen, mit denen dieses Werk auch begann, endet es mit einem überschäumenden, ausgelassenen Klang von Klavier und Orchester.
Text: Rick van Veldhuizen