Klage, Trost, letzte Dinge
Mahlers Neunte Sinfonie ist ein großes Werk des Loslassens. Zart, fragil und bisweilen aufgewühlt durchmisst sie Erinnerungen, Lebensfülle und Abschiedsschmerz. Besonders im entrückten Schluss scheint die Musik sich langsam aus der Welt zu lösen. Haydns "Nelson-Messe" hingegen verbindet dramatische Dringlichkeit mit kraftvoller Hoffnung. Bedrohliche Klanggesten treffen auf strahlende Chöre und lassen Klänge zwischen Angst und Vertrauen, zwischen erschütterter Welt und aufgerichtetem Glauben entstehen.
In diesen Kompositionen wird das Paradies nicht behauptet, sondern befragt. Sie führen durch Dunkelheiten hindurch und suchen nach Halt im Unsicheren. Musik wird zum Ort des Abschieds und zugleich des inneren Widerstands gegen das Verstummen.