Konzertsaal im Kulturpalast

Das Unauslöschliche/abgesagt

Dausgaard und Andsnes

NUTZEN SIE UNSERE DIGITALEN ANGEBOTE!  #WEITERHÖREN:

Zwei Vierte Sinfonien – die von Witold Lutosławski und Carl Nielsen – hätten in den Konzerten das Klavierkonzert von Robert Schumann gerahmt. Dieses Konzert kann leider nicht stattfinden. An dieser Stelle haben wir für Sie das Programm zum Nachhören in bereits vorhandenen Aufnahmen zusammengestellt und kurz kommentiert.

Witold Lutosławski (1913 – 1994)
Sinfonie Nr. 4 (1992)

Lutosławskis Vierte Sinfonie ist ein Spätwerk des Komponisten, ein konzentriertes Werk in einer ganz persönlichen, über Jahrzehnte gewachsenen Klangsprache. Zu den Traditionen, zu denen sich Lutosławski bekannte, zählte unter anderem die französische Musik, wie sie u. a. von Claude Debussy und Edgard Varèse repräsentiert wird. Nicht zuletzt deshalb empfehlen wir die Aufzeichnung einer Aufführung mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France unter Leitung von Esa-Pekka Salonen vom 1. Februar 2011 im Pariser Théâtre du Châtelet.
» Aufführung

Robert Schumann (1810 – 1856)
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54

Von Robert Schumanns Klavierkonzert gibt es natürlich unzählige Einspielungen. Wir möchten zwei Interpretationen empfehlen, die unterschiedlichen Ansätzen folgen, aber beide überzeugen.
Zunächst ein Konzertmitschnitt aus dem Gewandhaus zu Leipzig mit Martha Argerich als Solistin und dem Gewandhausorchester Leipzig unter Leitung von Riccardo Chailly. Uns überzeugt an dieser Interpretation vor allem die Differenziertheit: die Flexibilität der Tempi, die vielen farblichen Schattierungen im Orchesterklang, die deutliche Artikulation. Man spürt, dass Chailly Erfahrungen der historisch informierten Aufführungspraxis mit dem Klang eines modernen Orchesters zu verbinden vermag.
» Konzertmitschnitt

In der Berliner Philharmonie entstand die Aufzeichnung einer Aufführung des Konzertes mit Alexander Melnikow als Solist und dem von Pablo Heras-Casado dirigierten Freiburger Barockorchester, gespielt auf Instrumenten der Schumann-Zeit – beispielsweise einem Erard-Flügel aus dem Jahr 1837 – und in einer verhältnismäßig kleinen Orchesterbesetzung. Der Klang ist insgesamt weniger voluminös, als wir das von modernen Orchestern gewohnt sind, aber unglaublich farbenreich. Die Blechbläser setzen kräftige Akzente. Kontraste werden betont, nicht verwischt. Die Partitur wird bis ins kleinste Detail durchleuchtet. Jede Phrase wird zum Sprechen gebracht. Die Auseinandersetzung mit der Aufführungspraxis der frühen Romantik führt zu einer höchst modernen Interpretation.
» Konzert

Interessant ist es in diesem Zusammenhang auch, die frühe Version des Klavierkonzertes kennenzulernen, das von Schumann zunächst als einsätzige Phantasie für Klavier und Orchester konzipiert war. Hier eine Aufnahme mit Gianluca Cascioli als Solist und dem Sinfonieorchester Basel unter Leitung von Mario Venzago.
» Konzert

Carl Nielsen (1865 – 1931)
Sinfonie Nr. 4 op. 29 „Das Unauslöschliche“
Mit Thomas Dausgaard hätte dieses Konzert ein Dirigent geleitet, der sowohl zu Schumanns als auch zu Nielsens Musik eine sehr tiefe Verbindung hat. (Man denke an die phänomenalen Aufnahmen der Schumann-Sinfonien mit dem Schwedischen Kammerorchester.) Auf youtube ist eine Aufnahme der Vierten Sinfonie von Nielsen unter seiner Leitung verfügbar, die 2012 mit dem Houston Symphony Orchestra entstand, und man spürt, mit welcher Energie, Intensität und mit welchem Temperament Dausgaard sich dieser Musik widmet.
» Konzert

Wer auf die visuellen Aspekte einer Aufführung Wert legt, die ja angesichts der Paukenduelle des Finales nicht zu unterschätzen sind, dem sei die Aufzeichnung einer Aufführung mit dem BBC Philharmonic Orchestra unter Leitung des auch jüngst bei der Dresdner Philharmonie zu erlebenden Juanjo Mena empfohlen, die 2013 in der Londoner Royal Albert Hall im Rahmen der Proms entstand.
» Konzert


Hier noch einmal das Programm in Kurzform:

Witold Lutoslawski
Sinfonie Nr. 4 (1992)
Robert Schumann
Klavierkonzert a-Moll (1845)
Carl Nielsen
Sinfonie Nr. 4 „Das Unauslöschliche“ (1916)

Thomas Dausgaard | Dirigent
Leif Ove Andsnes | Klavier
Dresdner Philharmonie