Klingendes Haus - Hörspaziergang um den Kulturpalast

Der Komponist Franz Martin Olbrisch (Foto: Felix Ermacora)

Der Komponist Franz Martin Olbrisch (Foto: Felix Ermacora)

„Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Spitzenorchester und ein so außergewöhnlicher Konzertsaal eine Klanginstallation in Auftrag geben. Eine solche Installation überwiegend aus Materialien des klassisch-romantischen Repertoire zu erstellen, war für mich etwas sehr Besonderes." (Franz Martin Olbrisch)

Konzertsäle sind meist exklusive Klangorte, die man nur mit Ticket zum Konzert betreten kann. Wir wollen, dass der Klangort Kulturpalast auch dann zum Hinhören einlädt, wenn man ihn noch gar nicht betreten hat.


Deshalb wird der Kulturpalast für eine Weile selbst ein klingendes Gebäude, das man hörend umrunden kann. Aus leise tönenden Lautsprechern auf den Balkonen sind Klänge – „Herztöne“ – aus Programmen der Dresdner Philharmonie zu hören. Jeder Lautsprecher bietet dabei eine anders zusammengestellte Klangcollage und lädt dazu ein, zu verweilen. Man kann sich aber auch immer weiter bewegen und sich so rund um den Kulturpalast ein individuelles Hörerlebnis erwandern.

Das Konzept der Installation hat Franz Martin Olbrisch entwickelt. Es geht von verschiedenen Aspekten des Orchesterklangs aus (der Spaziergang beginnt an der Ostseite):

1 Sakrale Musik
2 Weltliche Vokalmusik
3 (zwei Lautsprecher) Bühnenmusik
4 (zwei Lautsprecher) Programmmusik
5 (zwei Lautsprecher) Sinfonien
6 (zwei Lautsprecher, über der Palastecke) Instrumentalkonzerte, auch Orgelkonzerte
7 Klavierkonzerte
8 Divertimenti, Serenaden etc.

Olbrisch verarbeitet entsprechende Aufnahmen der Dresdner Philharmonie zu jeweils eigenen Klangkompositionen. Jedes Genre ist über jeweils einen der Lautsprecher zu hören. Oft meint der Hörer ein Werk zu kennen, das vertraute Hören wird jedoch durch Verschiebungen, Mischungen, Überlagerungen irritiert; Ziel ist nicht zuletzt, dabei im Konzert oft überhörte Klangaspekte des Orchesters an die Höroberfläche zu bringen.

Hintergrund ist auch die Überlegung, in welchem Raum sich Musik überhaupt ereignet. Wird die Außenhaut eines Gebäudes selbst zur Musikquelle, geraten akustischer und sozialer Raum in besonderer Weise in Berührung. Was entsteht, ist Interaktion: zwischen Passanten, Publikum, Musikern, Instrumenten, dem Orchester und natürlich dem Haus selbst.

Franz Martin Olbrisch (* 1952) studierte zwischen 1979 und 1985 Komposition an der Hochschule der Künste Berlin. Von 1988 bis 2008 war er Dozent für Komposition und Studiotechnik an der Universität der Künste Berlin und von 1999 bis 2008 für Komposition im Elektronischen Studio an der Technischen Universität Berlin. 2004 und 2006 war er Dozent bei den Internationalen Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Von 2008 bis 2020 war er Professor für Elektronische Musik an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" in Dresden.


 
Die Installation ist ab dem 7. Oktober 2021 täglich von 10 bis 19.30 Uhr für drei Wochen zu erleben.

Hören Sie hier eine kleine Kostprobe.